Auf-dem-Weg3

Jakobsweg 2017



Omnia mea mecum porto. - Alles, was ich habe, trage ich bei mir. -

    Genauer gesagt: - Alles, was ich brauche, trage ich bei mir. -


Wege aus der üppigen und ressourcen-verschlingenden Output-Steigerung in die maßvolle Postwachstums-Ökonomie zeigt das Buch "Befreiung vom Überfluss" von Niko Paech auf:

https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/befreiung-vom-ueberfluss.html


Bevor ich mitten im Jahr 2017  80 Jahre alt werde. möchte ich gerne wissen, ob ich noch mit Rucksack und Pilgerpass irgendwo auf dem Jakobsweg gehen kann und auch irgendwann am gesteckten Teilziel ankomme.

                 

   


       Das Kurzgedicht von Gottfried Benn fällt mir spontan dazu ein:

Erkenne die Lage,
rechne mit deinen Defekten,
gehe von deinen Beständen aus,
nicht von deinen Parolen.


Vor kurzem bin ich mit Morbus Parkinson zum zweiten Mal aus der teilstationären Behandlung einer Spezialklinik  entlassen worden, ausgerüstet mit vielen Pillen und der Aufgabe, mich so viel wie möglich zu bewegen, um den Fortschritt der Krankheit (z.B. den Muskelschwund) aufzuhalten. Zurückdrehen kann man das Rad nicht:

                                                  was weg ist, ist weg.


"Zufällig" entdeckte ich den Film vom Buchautor Karl-Heinz Brass (2007 "Weiter, immer weiter..." ) im Internet, der auch mit Morbus Parkinson leben muss und versucht, die 790 km von den Roncesvalles in den Pyrenäen nach Santiago de Compostela auf dem spanischen Camino Frances zu pilgern.

                                      "Jeder Schritt zählt"

 https://www.youtube.com/watch?v=FFXT00fCWrs


Bewegung, Bewegung, Bewegung... ist meine Lebensversicherung.


Also beschloss ich, noch mal auf den Jakobsweg zu gehen und auf einem von mir noch nicht begangenen Teilstück des Weges jeden Tag ein paar Kilometer zu pilgern wie
i
n den Jahren 2006 bis 2010 mit Solange 2.200 km von Genf (Genève) aus nach Santiago de Compostela, nur langsamer.


                 

  http://auf-dem-weg.chapso.de/jakobsweg-2006-s80265.html

 

Was noch fehlte, war der Bayerisch-Schwäbische Jakobsweg von Augsburg über den Bodensee (Lindau-Konstanz) und später auf dem Schweizerischen Weg über St. Gallen nach Genf.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bayerisch-Schw%C3%A4bischer_Jakobusweg


                             



Am Dienstag, dem 16. Mai 2017 startete ich in Augsburg auf den Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg, ausgestattet mit einem neuen Pilgerpass und einem 8 kg-Rucksack.


                 


Die Augsburger St. Jakobuskirche steht schräg gegenüber dem Eingang zur Augsburger Fuggerei.

        

Dort ist auch eine Pilgerunterkunft. Ich war allerdings am Morgen von München angereist und noch am gleichen Tag losgelaufen

Pilgerunterkünfte gibt es nur wenige auf dem kommenden Weg: nur noch in Scheidegg und in Lindau.

  

        

                        Augsburger Rathaus mit Perlachturm

         

Mehr zu Augsburg als der drittgrößten Stadt Bayerns: https://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/Augsburg

         

                                             Afra-Turm


            

                                  evangelische St. Anna Kirche


Der grob nach Südwesten verlaufende Jakobusweg ist im Maßstab 1:50.000 in der als Leporello ausgeführten Wanderkarte www.publicpress.de gut zu verfolgen.

          

Die gröstenteils sehr gute Beschilderung des von Oettingen kommenden Weges ist meist auch mit dem Jakobsmuschelzeichen versehen.

          


                 Die Landschaft ist zunächst flach bis leicht hügelig.


erste Übernachtungsstation ist der Gasthof "Grüner Baum" in Reinhartshofen

            

Kirche in Reinhartshofen mit Pilger-Segenswunsch.


           

                              Die Gegend ist sehr waldreich.

                  

                        Pfarrkirche St. Georg von Kirch-Siebnach


                Weiter ging es nach Ettringen an der Wertach entlang.

                      

                      Ettringen hat ein großes Gewerbegebiet.



Der Weg geht jetzt bis Bad Wörishofen meist weiter an der Wertach entlang...

...und ist nicht nur mit dem Muschelzeichen beschildert, sondern hier auch mit Bild von Pfarrer Sebastian Kneipp, dem Erfinder der Wassertherapie.

            


            Übergang vom Schloss zur Loreto-Kapelle in Türkheim

 


                        saftige Wiesen und viele Marterl am Weg

            


                     Therme im Kneipp-Kurort Bad Wörishofen

            


 


                              Fußweg zur evangelischen Kirche

              


                           Fenster in der evangelischen Kirche



                      Dominikanerinnen-Kloster in Bad Wörishofen

                


          

  



Die Beschilderung vom Jakobsweg und der "Wandertrilogie Allgäu" war nach wie vor gut.

                               Eutenhausen in einer Talsenke

             


Übernachtungs-Möglichkeit im Hotel in  Katzbrui mit einer gut erhaltenen hölzernen Getreidemühle aus dem 17. Jahrhundert...

             

...gut versteckt ebenfalls in einer Talsenke

 


           


          

           


            


          am Sonntag rechtzeitig zur 10-Uhr-Messe in Markt Rettenbach



                             Teophilus-Basilika in Rettenbach

              


            


           


          

            

Informationstafel für die 2001 heilig gesprochene Franziskanerinnen-Ordensschwester Crescentia aus dem 17. Jahrhundert mit ihren 3 Wirkungsstätten Mindelheim, Ottobeuren und Irsee

            



im Jahr 764 gegründetes Benediktiner-Kloster Ottobeuren mit wechselvoller Geschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/Ottobeuren#Geschichte



          rechts Mönchstrakt mit derzeit 19 Mönchen; links Gästetrakt


                             weitläufiger Gästetrakt im Kloster


Pressebericht über die 250-Jahr-Feier zur Erbauung der schönen Basilika (Baubeginn 1737)

 

                 Konzert-, Aufenthalts- und Tagungsräume im Kloster

              


Während der Gottesdienste können die Klostergäste im Chorgestühl Platz nehmen.


Ich saß während der 18 Uhr-Vesper am Sonntagabend mit anderen  Gästen auch dort.

             

Nach der Vesper war mit anderen Gästen Abendesssen mit sehr offener Unterhaltung.


Die barocke Basilika u.a. mit prächtigen Deckenfresken ist überwältigend ausgestattet.

               


                  

prominente Stellungnahmen zur Ottobeuren-Tagung über den berühmten Schweizer Eremiten "Bruder Klaus" (1417 bis 1487) aus dem Pilgerort Flüeli-Ranft, der treffende Antworten zu wichtigen Fragen des Lebens gegeben hat...

                

...insbesondere über das Leben in der Einsamkeit z.B. in einer Auszeit im Kloster zum Abschalten vom Alltags-Stress

        

https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCeli-Ranft


Das folgende Gedicht von Herrmann Hesse beinhaltet das Thema:

Man hatte vor tausend Dingen Angst,
vor Schmerzen...
vor dem eigenen Herzen,
man hatte Angst vor dem Schlaf,
Angst vor dem Erwachen,
vor dem Alleinsein...
vor dem Tode -
namentlich vor ihm, dem Tode.

Aber all das waren nur Masken
und Verkleidungen.
In Wirklichkeit gab es nur eines,
vor dem man Angst hatte:
das sich fallen lassen,
den Schritt in das Ungewisse hinaus,
den kleinen Schritt hinweg.
Über all die Versicherungen, die es gab.

Und wer sich einmal,
ein einziges Mal hingegeben hatte,
nur einmal das große Vertrauen geübt,
und sich dem Schicksal anvertraut hatte,
der war befreit.
Er gehorschte nicht mehr den Erdgesetzen,
er war in den Weltraum gefallen
und schwang im Reigen der Gestirne mit.


          

           Ottobeuren ist eingebettet in eine wunderschöne Landschaft.


        prächtige Bauernhöfe mit vorwiegend Milchwirtschaft im Allgäu



gut in die Landschaft integrierter, moderner mittelständischer Betrieb mit Problemlösungen zur Verpackungs-Automation

         

Der nächste Ort ist Bad Grönenbach (grüner Bach)...

              


             


            


              

...mit historischem Schloss am grünen Bach, das oft den Besitzer gewechselt hat

Heute ist das mit großem Aufwand renovierungsbedürftige Schloss im Besitz der Gemeinde Grönenbach.

            

 


Vom Waldcafé aus hat man den ersten Eindruck von den südlich gelegenen Alpen.


ein aus Holz geschnitzter Waldschrat auf dem Weg

            


Nach Altusried muss man über die neu errichtete Hängebrücke über den Fluss Iller.


                 


          



            


pilgerfreundlicher Ort Altusried mit der Kirche St. Blasius und Alexander, wo auch ein Stempel in den Pilgerpass zu holen war

             





 


           




               Aufbau der Freilichtbühne für die Sommerspiele



Ab und zu findet man noch Überbleibsel der alten Jakobsweg-Beschilderung.


                           Altusried hat einen Naturlehrpfad.

           



wieder ein gut in die Landschaft integrierter, mittelständischer  Betrieb zum Bau von Zäunen und Toren

 


Der nächste Ort war Wiggensbach, wo allerdings keine preiswerte Übernachtungs-Möglichkeit zu finden war.

              


Am Dorfplatz steht der humorvolle Ratsch-Kathel-Brunnen von Zeichner Franz Xaver Kroll und Bildhauer Josef Michael Neustifter.

             


            

 

 

In Wiggensbach traf ich den einzigen Mitpilger auf diesem Teilstück des Weges. Er hatte mich auf dem Weg seit Augsburg eingeholt, weil er schneller (und jünger) war als ich.

Auch er hatte vergeblich wegen der nächsten Übernachtung viel herumtelefoniert. Er ging den Weg weiter nach Ermengerst und Buchenberg, während ich mein Glück in der 2 km abseits des Weges gelegenen Stadt Kempten suchte.

Der Weg ging z.T. angenehm flach entlang auf einem ehemaligen Bahndamm.

 


                                   

                                        Stadtweiher Kempten

                             

 

             



In der "Steinwüste Stadt" wurde mir wieder bewusst, wie weit wir Menschen die Natur bereits z.B. auf die Größe eines kleinen Blumenbeetes zurückgedrängt haben,



In der evangelischen St. Mang Kirche fand ein Biker-Gottesdienst an Christi Himmelfahrt statt. Der Pfarrer (selbst bekennender Motorradfahrer) sprach in seiner Predigt von den Sehnsüchten der heutigen Menschen, die u.a. auch durch den Geschwinigkeitsrausch und die Freiheit beim Fahren befriedigt würden.

             



    

        An Christi Himmelfahrt war in der ganzen Altstadt Jahrmarkt.

 

        Die Lorenz-Basilika ist direkt an das Schloss angebaut worden, 

 

           

                                                       

              

   

            Auch hier gab es wieder einen Stempel in den Pilgerpass.

            


            


Am gleichen Tag ging einher ein Autokorso mit Oldtimern, hier mit lauter Fiat 500 (dem Kultauto)...

           

... und Sportwagen. Auch hier ist wieder eine menschliche Sehnsucht nach etwas Schönem zu finden.

            

Das Auto ist ein geeignetes Fortbewegungsmittel vor allem auf dem dünn besiedelten Land. 

Leider gibt es davon zu viele. Sie verbrauchen weltweit zu viel Ressourcen und verschmutzen im ungeheuren Ausmaß die Umwelt.

         



                


               Hier ist die Zentrale der Allgäuer Milchwirtschaft.

            


In einem dichten Ring um die Altstadt werden neue Verwaltungs-Gebäude errichtet. Die modernen Bauten greifen wie Krakenarme  in die schöne Altstadt.

             


In Kempten habe ich entdeckt, dass mir ein Großteil meiner Parkinson-Medikamente verloren gegangen ist, die ich alle 4 Stunden einnehmen muss. (wohl aus der Brusttasche gefallen ?)

Ohne Rezept kann ich diese Pilger-Wanderung nicht fortsetzen. Ich muss wohl diese Etappe in Kempten am 26. Mai 2017 nach ca. 90 km beenden und später hier den Jakobsweg nach Lindau wieder fortsetzen .



                                                    ***

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