Auf-dem-Weg3

Keschtnweg 2015


          Auf dem Südtiroler Keschtnweg im Oktober 2015

 

Der Keschtnweg (im südtiroler Dialekt) oder Kastanienweg (Sentiero del Castagno) verläuft über ca. 60 km in 500 bis 900 m Höhenlage über und größtenteils parallel zum Eisacktal (Valle Isarco) von Brixen (Bressanone) nach Bozen (Bolzano).



Die Zufahrt von München über Innsbruck nach Italien in die autonome Region Südtirol ging über den schon von den Römern angelegten Brennerpass (Brennero) durch das Eisacktal bis Brixen (Bressanone).

 

     Die einzelnen Tages-Etappen unseres Keschtnweges waren:


    1. Etappe: von Neustift bei Brixen nach Feldthurns (15 km)
   2. Etappe: von Feldthurns nach Barbian (15 km)
   3. Etappe: von Barbian nach Unterinn (20 km)
   4. Etappe: von Unterinn nach Schloss Runkelstein bei Bozen (10 km)


Von Nordosten nach Südwesten gehend befanden wir uns zugleich auf  dem Südtiroler Jakobsweg mit dem Pilger-Fernziel Santiago de Compostella in Spanien.


Auf den umliegenden Bergen von Brixen - die Stadt verteilt sich auf den Höhenlagen von 560 m bis hinauf zu 2450 m - lag schon Schnee.

 


  1. Etappe: von Neustift bei Brixen nach Feldthurns (15 km)

Unser Start des Keschtenweges ist das Augustiner Chorherrenstift Neustift nördlich von Brixen.       

                  


  Aber zuerst haben wir uns die Altstadt von Brixen - im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt - angesehen.


In der Domstadt Brixen der Diözese Brixen-Bozen fließen der Fluss Rienz in den Eisack-Fluss zusammen. Die Kongress-Stadt Brixen ist mit 20.600 Einwohnern nach Bozen und Meran die drittgröste Stadt der autonomen Provinz Südtirol.


Der wunderschöne Kreuzgang des Domes wurde bereits im 12. Jahrhundert gebaut....


             ....mit  teilweise gut erhaltenen Fresken an der Decke.



             


Seit dem Ende des 1. Weltkrieges gehört Südtirol zu Italien, hat aber heute eine weitgehende Autonomie. Die offiziellen Sprachen sind Deutsch und Italienisch, z.B. auf allen Straßenschildern.


             


Die treppenartigen Giebel sind typisch für die Herrenhäuser der ganzen Region.


                  Hier das Gebäude des Priester-Seminars von Brixen....

                 


....mit dem davor ausgelegten Wappen vom Pabst Benedict XVI anlässlich seines Besuches im Jahr 2008. Als Vorsitzender der Glaubens-Congregation war der Kardinal Ratzinger öfter dort gewesen.

            


Auf dem Weg nach Neustift (Novacella) kommt man auch durch den Torbogen eines kleinen Schlösschens.

              


           


Der Weg führt durch ausgedehnte Weingärten, die zum Kloster Neustift gehören.


Der Keschtnweg beginnt im Ort Neustift (Novacella).



Die weitläufige Klosteranlage wurde 1142 vom Reformbischof Hartmann gegründet.

                  


Im Vordergrund ein Teil der Kloster-Weingärten und im Hintergrund der Pfeffersberg.


              


Das Augustiner-Chorherrenstift ist ein richtig großer Wirtschaft-Betrieb. Auch Meditations-Aufenthalte und Seminare werden dort angeboten. Früher war es auch eine Pilger-Herberge.



Die barocke Stiftskirche "Zu Unserer Lieben Frau" ist mit fast zu üppigen Fresken von Matthäus Günther (1735) ausgestattet. Die Laubkrone weißt auf das bevorstehende Erntedankfest hin.

            


             



Die Engelsburg-Kapelle ist der römischen Engelsburg nicht unähnlich.


Nach dem Start im Kloster führt uns unser Weg quer durch das Eisacktal über die Verkehrsadern Autobahn und Eisenbahn auf die andere Seite nach Vahrn.

          


In Vahrn erleben wir den ersten Kastanienhain (Castagneto) mit beeindruckend großen, alten Bäumen.


                       


Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde die Eisenbahn durch das Eisacktal gebaut und das war der Anlass, dass sich viele reiche Leute dort ihre Ferienhäuser bauten.



           Nach Vahrn kamen wir an der ersten mittelalterlichen Kapelle direkt am Keschtnweg vorbei ...

           


...mit einer phantasievollen Holzdecke.

          

 

     

          Hier ein typischer Bauernhof, der vorwiegend Weinbau betreibt.

 

 


Der Knecht Thomas hat regelmäßig den Armen Brot gespendet: eine heute noch zumindest einmal im Jahr gepflegte Tradition.

           


Die ebenfalls romanische St. Nikolaus-Kirche von Tötschling.


Die Beschilderung mit Höhenangaben ist vorbildlich.


Durch die ständig zu querenden Seitentäler geht es auf und ab zwischen 500 und 900 Höhenmetern.

           


In einigen Gebieten am Weg ist der sonst eher seltene Feuersalamander heimisch.


           Die Grundausrichtung des Keschtnweges ist von Nordosten nach Südwesten.

          Wir näherten uns nach ca. 15 km dem urigen Ort Feldthurns (Velturno), wo wir auch übernachteten. Im Taubers Unterwirt haben wir köstliche regionale Speisen und den erfrischenden Wein probiert.



Der Blick auf die andere Seite das Eisacktales auf die Dolomiten-Berge (Pettlerkofel) war zum letzten Mal durch ein paar Wolken getrübt. Danach hatten wir nur wolkenlosen, blauen Himmel.


Die Keschtnigl sind die igeligen Schalen der Edelkastanie.

           


Das Schloß Feldthurns bildete den Hintergrund für musikalische Aufführungen im Schlosshof anlässlich der Keschtniglwochen.


          


           


             



 

Am nächsten Tag ging es in die

2. Etappe: von Feldthurns nach Barbian (15 km)

zunächst nach Klausen (Chiusa) von 900 m runter auf 520 m Höhe.



Archäologische Funde (Museum in der Tanzgasse) weisen auf eine Besiedlung schon zu Zeiten des "Ötzis"  hin.        


Vor der romanisch-gotischen Laurentius-Kirche ist eine überdimensionale Kastanien-Bratpfanne aufgestellt. sie weist die typischen Flammlöcher auf.

          


Weiter geht es nach Südwesten u.a. durch den kleinen Ort Pardell mit dem Gasthof Huber (Buschenschank von neuem Wein) oberhalb von Klausen.

                             

Gegenüber ist von den Dolomiten die Geislergruppe zu sehen.


Zum Kastaniensammeln ist jetzt die richtige Zeit.



Nun ist bereits die "Akropolis von Tirol" zu sehen, die Burg Säben, lange Zeit Bischofssitz (schon im 6. Jahrhundert).


Die Wege werden auch mit Europäischen Mitteln instand gehalten.

 


Im Hintergrund die Sarntaler Alpen (Monti Sarentini).


Weingärten, Weingärten und nochmals Weingärten....

           


            


Der Abstieg von der Burg Säben (Säbener Promenade) nach Klausen (Chiusa) ist steil.


Blick ins Eisacktal mit der Brenner-Autobahn nach Bozen.


           



Der sog. "Heilige Berg Tirols" ....


...oberhalb der Altstadt von Klausen ist beeindruckend.

           



Die Stadt Klausen (über 5.000 Einwohner) nimmt für sich in Anspruch, den mittelalterlichen Minnesänger Walther von der Vogelweide eine Zeitlang  beherbergt zu haben.


                    


           


           


Der Keschtnweg führt weiter u.a. durch den Felsentunnel wieder hinauf nach Villanders auf  900 m Höhe...

          


                                   ...wieder durch unzählige Weinberge.

          


           


                                 Ein Blick zurück auf die Burg Säben...

          


... erhascht zugleich einen Ausblick auf die schneebedeckte Plose der Dolomiten.

                  


 


Villanders liegt inmitten von Weingärten schräg am Hang mit der augenfälligen Kirche zum Heiligen Mauritius.         

     

                



           


           


             


Ein wohl nur in diesen Bergregionen beheimatetes, seltsam zottiges Tier auf der Weide.


Im Hintergrund die Sella-Gruppe der Dolomiten und unten wieder die viel befahrene Brennerautobahn nach Süden.

         

 

         


Der Weg zum nächsten Etappenziel Barbian führte durch mehrere Schluchten.

          


          


           


Hier die ersten Häuser von Barbian und hinten wieder die Sella-Gruppe (Gruppo del Sella, 3.150 m hoch).


Das aus mehreren Orten und Weilern bestehende Bergdorf Barbian (ca. 1.500 Einwohner) besteht scheinbar nur aus Hotels, Gasthöfen und Pensionen. Die Pfarrkirche mit ihrem schiefen Turm ist dem Hl. Jakobus geweiht.


Hier haben wir übernachtet und am nächsten Tag sind wir gestartet zur...




  3. Etappe: von Barbian nach Unterinn (20 km).


           


   



Im Hintergrund ist auf unserer Seite des Eisacktales bereits das Rittner Horn (Corno del Renon, 2.261 m hoch)  zu sehen.


                  


Dabei kamen wir auch an der St. Verena-Kirche mit einem Kreuzigungsweg vorbei (Verena = die Sanftmütige).

            


Der Blick auf den "hohlen Zahn", den Langkofel (Sassolungo, 3.181 m) wurde zum ersten  Mal von den vorderen Bergen freigegeben.

             




Mittags sind wir auf dem südlichen Weg in Richtung Unterinn im Ort Lengstein angekommen.

               


          

Kirche und Gasthof von Lengstein.

           


Von Lengstein hat man einen wunderbaren Blick auf einen weiteren Dolomitenberg, die Santnerspitze (Punto Santner , 2.414 m hoch)....


....und nochmal auf den Langkofel.



Mittlerweile auf dem Weg nach Süden kommen weitere Dolomiten zum Vorschein, wie hier der Rosengarten (Calinaccio, 2.981 m hoch).


          


Weiter süd-westlich auf dem Weg nach Unterinn (Auna di Sotto) sahen wir nun auch...


           


....den sog. Schlern ( Scillar, 2.564 m hoch); links die Santnerspitze.


          


Hier nochmal gegenüber der Rosengarten.

          


Unser schöner Aussichtspunkt ist unübersehbar am Baumstamm markiert.

           


 

Wir blieben weiter auf ca. 900 m Höhe und kamen an den sog. Erdpyramiden vorbei. Die Bezeichnung ist irreführend. Es sind schmale, steile Erd-Verhärtungen unter jeweils einem natürlichen Felsdach. Unter diesem Dach kann der Regen den Lehm nicht wegspülen. Die Lehmstelze bleibt stehen und härtet beim Trocknen aus.

 


                


Nach der Übernachtung in Unterinn sind wir am nächsten Morgen aufgebrochen zur ...



4. Etappe: von Unterinn nach Schloss Runkelstein bei Bozen (10 km)


Der Blick von der Terrasse des Gasthof Wunder, unserer Unterkunft in Unterinn, auf die Dolomiten (hier wieder der Rosengarten) war - noch dazu bei diesem wolkenfreien Himmel - seit Tagen überwältigend.



Hier nochmal ein Telefoto von der Santnerspitze (links) und vom Schlern...


....sowie vom Mittagkofel (2.187 m hoch).

 


Einige Häuser von Unterinn mit der Santnerspitze im Hintergrund.

           


          

Die kurvenreiche Autostraße führt steil ins Eisacktal.




Wir gingen an dem felsenreichen Höhenweg entlang auf unsere...


   4. Etappe: von Unterinn nach Schloss Runkelstein bei Bozen (10 km)




                           


Bozen (Bolzano) war schon in der Ferne zu sehen durch das Weinanbau-Gebiet St. Magdalena.




Auf dem Weg nach Süden nehmen die Obstkulturen - vor allem Äpfel - zu.


          

 


Hier war das Endziel des Keschtnweges nach ca. 60 km (in 4 Tages-Etappen): Schloß Runkelstein.

        



           



Am Stadtrand von Bozen im Norden hier das Schloß Maretsch (Castel Mareccia)....


...und zwei weitere Schlösser.

 
 


 

Die mit ca. 97.000 Einwohnern größte Stadt der autonomen Provinz Südtirol ist Bozen (Bolzano) und liegt an der Einmündung des Flusses Talfer (Talvera) in den Eisack.


Die Haupt-Einkaufsstraße in der Altstadt ist die Silbergasse mit dem Piazza delle Erbe (Obstmarkt).

              


                


Hier gibt es die feinsten Köstlichkeiten der Region vom Südtiroler Speck bis zum St.Magdalenen-Wein....


...und jede Art von Südtiroler Obst....


...sowie Pilze, Olivenöl und Gewürze.


Der beliebteste und frequentierteste Platz ist der Waltherplatz mit einem Denkmal des Walther von der Vogelweide. Der nach Süden blickende Walther betont das Deutschtum.

Der Platz hat eine lange Geschichte und hieß je nach Besitz der Herrschenden immer wieder anders.

Der Waltherplatz lag im Mittelalter am Stadtrand, südlich der Stadtmauer. In einer alten Stadtkarte ist an seiner Stelle ein Weinberg eingezeichnet. 1808 verkaufte König Maximilian I. von Bayern  (Napoleon hatte den verbündeten Bayern das Land Tirol überlassen) das Weingut an die Stadt Bozen, die den darauf errichteten Platz zunächst Maximilianplatz nannte.

Nach der Rückkehr Tirols zu Österreich in Folge des Wiener Kongresses 1815 nach dem Fall Napoleons wurde er Johannsplatz (nach Erzherzog Johann von Österreich) genannt. Nachdem dort 1889 das Walther-Denkmal errichtet worden war, erhielt der Platz seinen heutigen Namen. 

  

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Annexion Südtirols durch Italien wurde unter dem Faschismus der Name 1925 in Piazza Vittorio Emanuele geändert nach dem Sardinischen König Viktor Emanuel. 1935 erfolgte die Entfernung des Walther-Denkmals, das im peripher gelegenen Roseggerpark aufgestellt wurde.

1945 wurde der Platz für kurze Zeit in Marienplatz umbenannt, bevor wieder der Walther von der Vogelweide zum Namensgeber wurde.

Anfang der 1980er wurde unterhalb des Waltherplatzes eine Tiefgarage (die erste Tiefgarage Bozens) errichtet, wodurch die Oberfläche in eine Fußgängerzone umgewandelt werden konnte.

1981 kehrte das Walther-Denkmal wieder auf den Waltherplatz zurück.

 

                                         

Ab 1923 wurde vom damaligen faschistischen, italienischen Diktator Benito Mussolini die Entfernung des Walther-Denkmals und seine Ersetzung durch ein Standbild vom römischen Feldherrn Drusus (Feldzüge gegen die Germanen 12 bis 9 vor Chr,) gefordert, dessen Aufstellung aber unterblieb, nachdem in der „Waltherfrage“ sogar eine außenpolitische Kontroverse zwischen Mussolini und dem deutschen Außenminister Gustav Stresemann entstand.


Unweit vom Waltherplatz steht der Dom.

              


Bozen ist Sitz des Erzbischofs der Diözese Brixen-Bozen.

          


Die gut erhaltenen Fresken haben gegenüber den sonstigen mittelalterlichen Darstellungen viel lebendigere, plastisch herausgearbeitete Züge. Da spielt wohl der Einfluss des italienischen Meisters Giotto (Dombaumeister von Florenz, 1266 bis 1337) eine maßgebliche Rolle.

         


Mit dieser Darstellung wollte man den Pilgern nahelegen, sich nicht zu oft nahe an der Kirche aufzuhalten. Sonst falle ihnen die Glocke auf den Kopf.

           


Der das Hauptportal bewachende Löwe ist ein Symbol der kirchlichen Macht.

               





Die Front der Häuser und Geschäfte in  der Silbergasse hatten nur eine zugestandene Breite von vier Metern.

           


          


           Die Franziskaner-Bäckereien (Panificio) boten eine Fülle von Kuchen, Gebäck und Brotsorten.

      

             

Das fast leere und von einigen schwarzafrikanischen Flüchtlingen als Treffpunkt gewählte Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst wirkte am Rande der Altstadt provozierend anders.


Die afrikanischen Flüchtlinge haben einen der riesigen, noch leerstehenden Räume des brandneuen Museums besetzt und palavern dort in ihren verschiedenen afrikanischen Dialekten miteinander. Vielleicht werden sie deshalb dort geduldet, weil der Museumsdirektor darin ein lebendiges Gesamtkunstwerk sieht?  Zeitgenössisch ist es auf jeden Fall.


Nach einem halben Tag in der quirligen Stadt hielten wir es dort nicht mehr aus und fuhren mit der hypermodernen Seilbahn in zehn Minuten wieder nach oben in die Weinberge von Bozen (262 m) nach Oberbozen (Soprabolzano, 1.220 m) auf das Sonnenplateau des Ritten (Renon).





Modernste Technik ließ uns fast lautlos nach oben rauschen.


An der Bergstation Oberbozen wartete bereits eine gemütliche Schmalspurbahn für eine Panoramafahrt nach Klobenstein (Collalbo, 1.160 m) auf uns.


Auf der Freud-Promenade vorbei an schönen Villen mit unverbaubarer Hanglage hatten wir atemberaubende Aussichten auf die gegenüber liegenden Dolomiten.

               





Es war einfach erhebend da oben....

           

 

....weit entfernt von dem hektischen Treiben im Tal und diesem ewigen und lauten Strom von Autos auf dem Weg von und nach Süden.


Der Brennerpass war und ist über Jahrhunderte - auch Goethe hat seine Incognito-Reise nach Italien über den Brenner unternommen - die Hauptverbindung vom Norden und Süden Europas. Hier wird Europa gelebt.


In dem Video https://youtu.be/9zt6E26sAVc  sind die größten Eindrucke dieser viertägigen Wanderung auf dem Kastanienweg nochmal zusammengestellt.



                                                            ***




[ Besucher-Statistiken *beta* ]